Nach der Insolvenz ist Simplon mit neuem Investor wieder am Start (BIKE berichtete). Jetzt schickt die Carbon-Schmiede aus dem Vorarlberg ein deutliches Lebenszeichen und präsentiert ein brandneues E-Mountainbike mit Carbon-Rahmen. Das Rapcon :e mit neuem Bosch-Motor und 160 Millimeter Federweg löst das bisherige Rapcon (hier im Test) ab. Auch ein etwas gemäßigteres E-Trailbike und ein E-SUV mit Carbonrahmen sind neu im Programm.
Der Bosch Performance Line CX Motor der fünften Generation leistet 750 W bei 100 Nm Drehmoment und unterstützt bis 400 Prozent der Tretkraft. Das ins Oberrohr integrierte Kiox 400C Display zeigt Fahrdaten während der Fahrt an. Der eMTB+ Modus passt die Motorunterstützung an das Gelände an und soll so Traktion und Fahrgefühl verbessern.
Anders als bisher, lässt sich der Akku jetzt wieder klassisch per Schlüssel aus dem Unterrohr entnehmen. Das ist praktischer als die Entnahme nach unten aus dem geschlossenen Rahmen beim Vorgänger, dürfte den Rahmen aber etwas schwerer machen. Simplon bietet das Rapcon :e mit 600-Wh-Akku für ein geringeres Gewicht und mit 800-Wh-Akku für längere Reichweite an. Der 250-Wh-Range-Extender ist mit allen vier Rahmengrößen kompatibel und erweitert die Kapazität auf bis zu 1050 Wh.
Das Rapcon :e ist mit mechanischen und elektronischen Schaltungen erhältlich. Die elektronischen Varianten beziehen Strom direkt aus dem Hauptakku und benötigen kein separates Kabel. In der Ultimate-Ausstattung kommt die neue Shimano XT Di2 zum Einsatz. Die Schaltung bietet eine Freeshift Funktion für Schaltvorgänge im Leerlauf und lässt sich auch in den vollautomatischen Modus schalten. Dann wechselt die XT komplett selbstständig die Gänge, basierend auf der Trittfrequenz. Mit der sportiven Hyperglide-Kassette am Rapcon kracht’s dann allerdings ganz schön unter Last.
Gegenüber dem sportiven Vorgänger wurde die Geometrie ein wenig entschärft. Das Rapcon :e kommt mit 64-Grad-Lenkwinkel und einem effektiven Sitzwinkel von 77,5 Grad (vorher über 79 Grad) über alle Rahmengrößen hinweg. Das sollte dem Bike eine gute Laufruhe und eine nicht zu extreme Sitzposition bringen. Der Reach liegt bei 480 Millimetern in Größe L, der Stack wächst für mehr Fahrsicherheit bergab etwas auf 646 Millimeter in Größe L. Die Kettenstreben messen 445 mm in S und M, 450 mm in L und 455 mm in XL. Diese größenabhängige Auslegung soll für konstante Fahreigenschaften über die Rahmengrößen hinweg sorgen.
Das Rapcon :e lässt sich als Mullet-Setup mit 29-Zoll-Vorderrad und 27,5-Zoll-Hinterrad aufbauen. Über den hauseigenen Konfigurator kann zwischen den Laufradgrößen gewählt oder auch die Ausstattung nach eigenen Wünschen angepasst werden. Ein Flip-Chip im Rocker passt auch im Nachhinein die Geometrie an die unterschiedlichen Laufradgrößen an und soll die Balance des Bikes erhalten. Die Standard-Konfiguration nutzt 29-Zoll-Laufräder mit 2,4-Zoll-Reifen vorne und hinten, die Mullet-Variante einen 2,6-Zoll-Reifen am Heck.
Simplon passt die Hinterbaukinematik an Fahrergröße und Gewicht an. Diese größenabhängige Auslegung soll über alle Rahmengrößen hinweg ein vergleichbares Fahrgefühl gewährleisten. Der Hinterbau bietet 160 mm Federweg, die Federgabel ebenfalls 160 mm. Die Gabellänge beträgt 576 mm bei einem Offset von 44 mm.
Doppelt gelagerte Hauptlagerpunkte und einheitliche Lagergrößen sollen Haltbarkeit und Steifigkeit erhöhen. Ein 36-Zähne-Kettenblatt reduziert nach Herstellerangaben den Kettenverschleiß, sorgt aber auch für etwas schwerere Berggänge. Der leicht entnehmbare Akku, geklemmte Leitungen und externe Kabelführung ermöglichen schnelle Wartungsarbeiten. Auf die Zugführung durch den Steuersatz des Vorgängers verzichtet Simplon bewusst wieder. Markierte Drehmomente an Schrauben erleichtern die Montage.
Umfangreiche Rahmenschutzlösungen schützen den Carbon-Rahmen vor Beschädigungen. Montagepunkte für Schutzbleche, Seitenständer, Lichtanlage und Anhängerbetrieb erweitern die Einsatzmöglichkeiten. Das Rapcon :e ist in drei Basis-Ausstattungsvarianten erhältlich, die im Konfigurator weiter angepasst werden können. Das Rapcon :e Core mit Zeb Base und Eagle 70 für 6999 Euro, das Expert mit Zeb Select+ und Eagle 90 für 7999 Euro und das Ultimate mit Fox Factory und XT Di2 ab 9499 Euro. Der 800er Akku kostet jeweils 280 Euro Aufpreis.
Neben dem sportiven Topmodell Rapcon legt Simplon auf Basis des gleichen Rahmens auch zwei weitere Modelle für weniger krasses Gelände neu auf. Das Rift :e ist als Trailbike mit 140 Millimetern Federweg vorne und hinten ausgelegt. Der Vorteil: Das Rift soll über 1 Kilo leichter sein als das Rapcon und kommt außerdem 500 Euro günstiger, bei vergleichbarer Ausstattung. Das erreicht Simplon vor allem über leichtere Reifen und Federelemente. In Kombination mit der etwas moderateren Geometrie mit 65er Lenkwinkel und kürzerem Radstand dürfte sich das Rift :e auch etwas neutraler und agiler fahren, als das Rapcon. Preise beginnen bei 6499 Euro.
Das Stomp :e kommt vollalltagstauglich mit Gepäckträger, Seitenständer, Schutzblechen und Lichtanlage und schöpft damit die Anschraubpunkte des Rahmens schon ab Werk voll aus. Auch hier gibt’s 140/140 Millimeter und die neutralere Geometrie vom Rift, spannend ist die Ausstattung: Statt integriertem Kiox 400 C kommt das Stomp mit dem großen 500er Kiox und auf Wunsch sogar mit Rohloff e14 Nabenschaltung. Der Preis liegt dann allerdings bei stattlichen 10.079 Euro.
Mit dem Rapcon integriert Simplon den neuen Bosch-Motor in einer breit aufgestellten Modellpalette. Das war überfällig. War der Vorgänger noch extrem sportlich ausgelegt, wagt man jetzt deutlich mehr den Spagat zwischen Trail-Tour und Alltag. Dafür sprechen der leichter entnehmbare Akku, die leicht entschärfte Geometrie, aber auch die zahlreichen Anschraubpunkte am Rad.
Der richtige Weg? Trail Fans könnten dem krassen Vorgänger etwas nachtrauern, die Vielseitigkeit des neuen Rades hat aber auch etwas für sich. Klares Plus: Nach nur einer Generation verabschiedet sich Simplon wieder von der integrierten Zugführung durch den Steuersatz und setzt auf klassische Verlegung. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik