CNC-gefräst von der Hebelspitze bis zum Langloch, mit schickem Eloxal verziert und verkünstelten Bremsscheiben – optisch sticht die Hope Tech 4 Evo GR4 aus dem Testfeld heraus. Doch gilt das auch für die Performance der Briten-Bremse? Wir haben sie in Labor und Praxis getestet.
Viel Bremspower macht nur Sinn, wenn sie bei überschaubarem Krafteinsatz abrufbar ist und sich fein dosieren lässt – das gelingt der Hope sehr gut. Meinem Geschmack nach dürfte der Druckpunkt Richtung Vollbremsung sogar noch einen Tick härter ausfallen. Die schrille Optik ist nicht mein Fall, zum Glück gibt es die GR4 aber auch in schlichteren Farben. – Dimitri Lehner, BIKE-Testredakteur
| Preis (ohne Scheibe und Zubehör) | 300 Euro |
| Gewicht pro Stück | 283 Gramm (inkl. 800 mm Leitung + Beläge) |
| Scheiben / Dicke | Ventet Rotor 180 / 1,80 mm |
| Bremsbelage | Organisch |
| Bremsmedium | DOT 5.1 |
| Druckpunktverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Hebelweitenverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Besonderheiten | Schwimmend gelagerte Scheibe, 3 Hebeloptionen |
Für 300 Euro das Stück legt sich Hope mächtig ins Zeug und treibt sein Gravity-Flaggschiff nicht nur optisch, sondern auch technisch zur Perfektion. Die metallisch glänzenden Oberflächen zieren akkurate Fräsrillen. Für die Zange frisst sich die Fräsmaschine durch einen einzigen Alu-Rohling – kein Zusammenkleben, kein Verschrauben, der Sattel entsteht am Stück. Das sieht nicht nur todschick aus, sondern macht sich auch auf der Waage bezahlt. Gepaart mit den Kolben in Hybridbauweise – Harz im Inneren, drumherum eine Keramikbeschichtung – erreicht die Hope trotz des wuchtigen Looks einen Topwert. Ebenfalls stark: Die GR4 besitzt sowohl für den Druckpunkt als auch für die Hebelweite leichtgängige, griffige Rendelschrauben. Der Verstellbereich ist groß genug, jede Drehung spürbar. Die Lenkerschelle mit Scharnier erleichtert die Montage. Abzüge gibt es für das Bremsmedium: DOT zieht Wasser und ätzt, Mineralöl ist für Heimschrauber die unkompliziertere Wahl.
Beim Hebelgefühl landet Hope einen Volltreffer. In unseren Augen kreist der Hebel mit dem optimalen Widerstand um den kugelgelagerten Drehpunkt. Nicht zu stramm, sodass beim Initialbiss keine Kraftspitzen entstehen, aber auch nicht zu weich, sodass der Gegendruck am Finger fehlt – bravo! Bei der Hebelergonomie ist allerdings noch Luft nach oben: Besonders kleine Finger stört die kantige, breite Oberfläche. Dadurch entsteht das Gefühl, als müsste man den Finger um den Hebel klappen, statt ihn locker drumzulegen. Aber halb so wild: Neben dem Standardhebel an unserer Bremse bietet Hope zwei weitere Hebelgeometrien an – einen kürzeren Control-Hebel, ideal für kleinere Hände, und den längeren Power-Hebel, perfekt für Fahrer mit besonders großen Händen. Oder für alle, die mit dem längeren Hebel mehr Power aus der GR4 kitzeln wollen.
Liegen die Beläge an der Scheibe an, gibt der Hebel noch ein gutes Stück nach, bevor sich die Beläge in der Scheibe festbeißen. Uns gefällt der leicht schwammige Druckpunkt: Die Bremse gewährt einen kleinen Puffer, bevor sie fast schon übernatürliche Bremskräfte entwickelt – so lässt sich die Verzögerungskraft überhaupt erst effektiv nutzen. Die Muskeln lässt das Bremskunstwerk auch auf dem Prüfstand spielen – Bestnote bei der Trockenbremsung!
Bei der Nassbremsung rutscht das Kraftpaket ins Mittelfeld. Auf Dauer nervig: Im Praxistest hing uns die Hope unter Last ständig mit ihrem tiefen Gegurgel in den Ohren. Im Gegensatz zur Magura, die ebenfalls einen sehr weichen Druckpunkt besitzt, benötigt die GR4 jedoch geringere Handkräfte, um beispielsweise das Hinterrad bergab um Kehren zu lupfen. So fühlt sich die Bremse insgesamt spritziger an und beugt auf langen Abfahrten Armpump vor.
| Kategorie | Note |
| Bremspower (50%) | 1,4 |
| Nassbremsung (10%) | 2,5 |
| Trockenbremsung (40%) | 1 |
| Praxis (50%) | 1,5 |
| Modulation (30%) | 2 |
| Usability / Handling (10%) | 3 |
| Gewicht (10%) | 2 |
| BIKE-NOTE | 1,8 |
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Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.
Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600‑N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.
Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.

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