Adrian Kaether
· 13.04.2026
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Die Auswahl des optimalen Reifens setzt bislang massives Fachwissen voraus. Schwalbe geht einen mutigen Schritt in Richtung Benutzerfreundlichkeit und räumt bei der Gelegenheit auch deutlich auf. Eine klarere Struktur ist das Resultat. Tech-Neuheiten wie Romy oder die neue Gravity Pro Karkasse und Ultra Soft Mischung holen Profis ab, Einsteiger bekommen mehr Performance bei den günstigen Varianten. Grüner ist das Portfolio auch noch geworden. Ein wirklich gelungener Rundumschlag.
Bei der schieren Masse an MTB-Reifen kann man schon leicht den Überblick verlieren. Allein für Trailbiker hatte Schwalbe bislang je nach Zählung fünf Profile, drei Karkassen-Versionen und drei Gummimischungen parat. Viel Auswahl ist zwar grundsätzlich gut, für die doch ganz schön unterschiedlichen Anforderungen bei Mountainbiken. Aber ohne sinnvolle Orientierung sind selbst Profis oft überfordert. Genau hier setzt Schwalbe an und vereinfacht radikal.
Die neue Strategie: Statt in erster Linie nach Reifenprofilen zu sortieren wie Magic Mary, Nobby Nic, Hans Dampf und Co., zäumt Schwalbe das Pferd von der anderen Seite auf und fängt beim Einsatzzweck an. Schwalbe gliedert das MTB-Portfolio deswegen ab sofort in drei klar definierte Produktfamilien – Gravity, Trail und Race, denen jeweils eine Reifenkarkasse entspricht. Was das konkret für den Reifenaufbau heißt muss man gar nicht im Detail verstehen. Wichtiger: Jede Familie steht für einen spezifischen Einsatzzweck beim Mountainbike und bildet den Einstieg in die Reifenwahl.
Zusätzlich gibt’s dann innerhalb von jeder der drei Reifenfamilien noch Empfehlungen, je nach persönlichem Schwerpunkt. Schwalbe wählt dafür sprechende Begriffe wie “Racer”, “Allrounder” oder “Explorer” um dann ganz konkrete Reifenkombinationen in Gummimischung und Profil vorzuschlagen. Zum Beispiel besonders leicht und schnell rollend für den Racer, schnell hinten mit mehr Grip vorne und gutem Pannenschutz für den Explorer und so weiter.
Gravity – Der Name ist Programm: Hier geht’s um maximale Sicherheit, kompromisslose Stabilität und umfassende Kontrolle für extreme Einsätze im Enduro- und Downhill-Bereich. Klarer Abfahrtsfokus, deshalb Gravity. Die Idee ist klar. Wenn es ans Limit geht, muss man sich auf sein Material verlassen können. Die Gravity Reifen sind schwer und rollen mäßig, denn darauf kommt es hier nicht an.
Trail – Hier finden sich alle Reifen für Trail- und All-Mountain-Einsätze. Die optimale Balance aus Pannenschutz, Grip und Gewicht steht im Lastenheft. Die Trail-Reifen sollen vielseitige Kandidaten für unkomplizierten Fahrspaß auf dem Mountainbike sein und dürften die meisten Touren-Einsätze abdecken.
Race – Hier geht es um Minimales Gewicht für maximale Geschwindigkeit. Die Reifen sind konsequent auf Effizienz und Tempo ausgelegt. Die Umstellung der XC-Reifen in die neue Race-Familie erfolgt allerdings erst 2027. Genaue Details zu den enthaltenen Profilen und Mischungen liegen deswegen hier noch nicht vor.
Die Familien-Namen entsprechen den zugrunde liegenden Karkassen-Konstruktionen. Also dem konkreten Aufbau des Reifens mit TPI-Zahl, Apex-Pannenschutz und so weiter. Aus bisher fünf werden jetzt nur noch drei Karkassen: Super Race, Super Ground, Super Trail, Super Gravity und Super Downhill werden zu Race, Trail und Gravity. Das soll die Orientierung erleichtern, bedeutet aber natürlich auch, dass Gravity jetzt Super Gravity und Super Dowhill abdecken muss. Trail muss Super Ground und Super Trail beerben. Schwalbes innovative Radial-Karkassen gibt es sowohl im Trail wie im Gravity Segment in jetzt noch mehr Ausführungen.
Bei den Profilen nimmt Schwalbe ebenfalls deutliche Änderungen vor. Hans Dampf und Big Betty haben ausgedient. Der neue Romy-Reifen (hier ausführlich) beerbt als fahrstarker Trail-Allrounder den Hans Dampf, soll aber bergab noch deutlich mehr können. Außerdem wurde das Enduro- und Downhill-Profil Tacky Chan spürbar angepasst. Ebenso wie die Gravity-Karkasse, die auch mit einem grundsätzlich überarbeiten Ultra Soft Compound verfügbar ist (hier im ersten Check). Den E-MTB Reifen Eddy Current gibt’s nur noch für hinten, aber jetzt auch in Radial wie übrigens auch die neuen Profile Tacky Chan und Romy.
Die Compounds werden ebenfalls vereinfacht: Der Begriff Addix fällt weg. Das bisherige Speedgrip-Gummi (blauer Streifen) heißt künftig einfach Mid und dient als vielseitiger Allrounder mit niedrigem Rollwiderstand und maximaler Haltbarkeit. Dazu gesellen sich Speed (roter Streifen) für maximale Effizienz beim Rollen und Soft (oranger Streifen) für mehr Grip bei Trail- und Enduro-Reifen. Das neue Ultra Soft Compound (lila Streifen) wurde komplett neu entwickelt und soll maximalen Grip auch bei Nässe bieten.
Innerhalb jeder Reifen-Familie bietet Schwalbe künftig zwei Varianten an. Die Schwalbe Line ist der direkte Nachfolger der Performance Line. Doch "Basis" klingt hier nach zu wenig, denn die Schwalbe Line bekommt jetzt auch die hochwertigsten Gummimischungen (Mid und Soft) spendiert. Bisher rollte die Performance Line auf einem eigenen Günstig-Gummi. Der hielt zwar lang, bot aber mäßigen Nassgrip und geizte mit Vertrauen im Grenzbereich. Auf etwas Auswahl und Radial-Konstruktionen muss man bei der Schwalbe Line zwar verzichten. Bei einem Preis von 44,90 Euro sind die „einfachen“ Schwalbe Reifen jetzt aber offenbar eine richtig gute Option.
Die Pro-Versionen sind die Nachfolger der bewährten Evolution Line und liefern dank neuester Materialien und modernster Technologien die beste Performance. Hier gibt’s dann auch die ganzen Tech Neuheiten wie den neuen Ultra Soft Compound und Radiale Karkassen. Mit einem UVP zwischen 69,90 und 74,90 Euro sind die Pro-Reifen auf dem bisherigen Evolution Niveau positioniert, für höchste Ansprüche im Einsatz. Alle Pro-Reifen sind zudem mit 100 Prozent Fair Rubber ausgestattet.
Ein wichtiges Detail am Rande: Ruß macht Reifen schwarz, griffig und widerstandsfähig und ist deshalb essenziell in der Reifenproduktion. Schwalbe setzt in allen Compounds, außer dem neuen Ultra Soft, auf recycelten Ruß aus dem eigenen Reifenrecycling. Das spart laut Hersteller 80 Prozent CO2-Äquivalent im Vergleich zu konventionellem produziertem Ruß ein.

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